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Marion Schrod-Heine, Senior Partnership und Event Managerin, F.A.Z. Institut

Senior Partnership und Event Managerin

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Beziehung statt nur Reichweite

  • vor 8 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit
Community Management als strategischer Hebel für Markenrelevanz, Vertrauen und langfristige Bindung

von BETTINA PÖHLMANN, SCHLEICH

Haben Sie schon einmal von Dirk Nowitzki einen Korb bekommen? Stellen Sie sich vor: Sie haben früher seine Spiele verfolgt, vielleicht nachts NBA-Highlights geschaut, seine Karriere in Dallas bewundert und sich gefreut, wenn irgendwo wieder von „Dirk“ die Rede war. Nicht, weil Sie ihn persönlich kennen. Sondern weil über Jahre eine Form von Nähe entstanden ist.


Dann sehen Sie ihn zufällig nach einer Veranstaltung. Sie nehmen Ihren Mut zusammen, sprechen ihn an und sagen, dass Sie seine Karriere und seine Haltung immer beeindruckt haben. Und was passiert? Nichts. Kein Blick. Kein Lächeln. Keine Reaktion. Wahrscheinlich wären Sie enttäuscht. Denn auch wenn Sie nie Teil seines direkten Umfelds waren, hatten Sie das Gefühl, irgendwie dazuzugehören. Als Fan. Als jemand, der über Jahre mitgefiebert hat.


Jetzt drehen wir die Situation um: Sie sprechen mit einer Kollegin über Basketball, Loyalität im Profisport und darüber, warum manche Persönlichkeiten über ihre aktive Karriere hinaus relevant bleiben. Dirk Nowitzki hört es, kommt dazu und steigt freundlich ins Gespräch ein. Wie fühlt sich das an? Vermutlich überraschend. Wertschätzend. Besonders. Genau so fühlt sich Community Management an, wenn es gut gemacht ist. Und genau so fühlt es sich an, wenn es fehlt.


Viele Marken investieren viel Energie in Content, Kampagnen, Formate und Reichweite. Aber wenn Menschen kommentieren, Fragen stellen, Feedback geben oder die Marke in ihrem eigenen Content erwähnen, bleibt es oft still. Die Marke sendet. Die Community reagiert. Und dann passiert: nichts. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist ein strategisches Problem.


Follower sind keine Community

Viele Marken tracken Follower. Wer einen Schritt weiter ist, trackt Reichweite. Und dann wird schnell von Community gesprochen. Aber eine hohe Followerzahl ist noch keine Community. Und Reichweite ist noch keine Beziehung.


Follower können gewonnen, verloren oder zufällig eingesammelt werden. Reichweite kann durch Mediadruck, Trends oder Algorithmen entstehen. Beides kann wertvoll sein. Aber beides sagt noch nicht, ob Menschen einer Marke vertrauen, ob sie sich mit ihr verbunden fühlen oder ob sie bleiben, wenn der Trend weiterzieht. Eine Audience konsumiert. Eine Community interagiert, diskutiert, fragt, widerspricht, empfiehlt weiter und bleibt.


Eine Marke kann Millionen Menschen erreichen und trotzdem austauschbar bleiben. Sie kann viele Likes bekommen und trotzdem wenig Vertrauen aufbauen. Sie kann regelmäßig posten und dennoch nicht wissen, was ihre Community wirklich bewegt.


Deshalb sollten Kommunikationsverantwortliche sich nicht nur fragen: Wie viele Menschen haben wir erreicht? Sondern auch: Würde es jemand merken, wenn unser Content morgen verschwinden würde? Wissen Menschen, wofür unsere Marke steht? Bauen wir Vertrauen auf oder nur Reichweite? Diese Fragen sind unbequemer als ein Dashboard. Aber sie sind strategisch relevanter.


Vertrauen entsteht nicht durch Content allein

Content kann Aufmerksamkeit erzeugen. Community Management kann Beziehung schaffen. Das klingt simpel, wird aber oft unterschätzt. Community Management wird noch zu oft als operative Disziplin verstanden: Kommentare beantworten, Nachrichten sortieren, auf Beschwerden reagieren. Also als etwas, das nach der Kampagne kommt. Als Service im Social-Team. Das greift zu kurz.


Community Management ist Markenführung in Echtzeit. Es zeigt, wie eine Marke zuhört. Wie sie spricht. Wie sie mit Kritik umgeht. Und wie nah sie an den Menschen ist, für die sie relevant sein will. Vertrauen entsteht nicht durch Content allein, sondern durch kontinuierlichen Austausch, durch Zuhören und durch das Gefühl, dass die eigene Stimme einen Unterschied macht.


Bei schleich® sehen wir das jeden Tag. Unsere Community besteht aus Eltern, Sammler:innen, Fans, Kindern und Menschen, die eine persönliche Verbindung zu unseren Produkten haben. Für viele sind die Figuren nicht einfach Spielzeug. Sie sind Erinnerung, Sammelleidenschaft, Fantasie, Familienmoment oder Teil einer eigenen kleinen Welt.


Ein gutes Beispiel sind unsere sogenannten #shelfies: Bilder von Regalen voller schleich Figuren, die wir jeden Monat teilen. Auf den ersten Blick ist das ein einfaches Content-Format. Tatsächlich steckt darin viel mehr. Die Community zeigt, wie sie die Marke in ihr Zuhause integriert. Sie zeigt ihre Sammlungen, ihre Lieblingsfiguren, ihre kleinen Welten. Und sie reagiert begeistert, weil sie sich darin wiedererkennt. Solche Formate funktionieren nicht, weil sie besonders laut sind. Sondern weil sie Zugehörigkeit sichtbar machen.


Auch bei Produkt-Launches zeigt sich, wie stark Beziehung wirken kann. Wenn wir neue Produkte ankündigen, fragen Fans häufig, wann bestimmte Figuren oder Sets endlich verfügbar sind. Bei den Schlüpfenden Baby-Dinos von BAYALA® war genau das zu beobachten. Besonders spannend ist dabei: Oft beantworten sich Fans gegenseitig Fragen, geben Hinweise weiter und helfen einander. Das ist ein starkes Signal. Denn dort, wo Menschen nicht nur konsumieren, sondern füreinander einspringen, entsteht Community.


Von Broadcasting zu Beziehung

Der erste Schritt ist Inbound Community Management. Das bedeutet: Marken hören zu, reagieren, beantworten Fragen, greifen Gespräche auf und beteiligen sich aktiv. Nicht als Pflichtübung. Sondern als Teil ihrer Social-Media-Strategie.

Der Unterschied zwischen Broadcasting und Community Management ist grundlegend. Broadcasting fragt: Was wollen wir sagen? Community Management fragt zusätzlich: Was kommt bei den Menschen an? Was beschäftigt sie? Welche Fragen stellen sie? Welche Themen entstehen aus der Community selbst?


Manchmal ist die beste strategische Frage nicht: Welche Kampagne planen wir als Nächstes? Sondern: Wen wollen wir eigentlich in unserer Community haben? Und noch besser: Haben wir diese Menschen schon einmal gefragt?

Bei schleich versuchen wir, Community nicht nur zu bespielen, sondern einzubeziehen: über Feedback, Content-Ideen, Reaktionen auf Formate und User Generated Content. Beteiligung schafft Bindung. Denn wer merkt, dass eine Marke zuhört, beteiligt sich eher wieder. Wer merkt, dass ein Kommentar gesehen wird, kommentiert eher erneut. Wer merkt, dass die eigene Idee aufgegriffen wird, fühlt sich nicht als Teil einer Zielgruppe, sondern als Teil einer Community.


Auch Geschwindigkeit spielt eine Rolle. Konsument:innen erwarten heute schnelle Antworten. Die Erwartung liegt häufig bei weniger als zwölf Stunden. Bei schleich schaffen wir die Beantwortung im Schnitt in rund acht Stunden. Entscheidend ist aber nicht nur die Geschwindigkeit. Entscheidend ist, dass die Antwort nicht wie ein Textbaustein klingt, sondern personalisiert, hilfreich und relevant ist. Denn eine schnelle Standardantwort ist effizient. Eine gute Antwort ist Beziehungspflege.


Die Kür: Outbound Community Management

Wer Community Management strategisch ernst nimmt, bleibt nicht beim Reagieren stehen. Der nächste Schritt ist Outbound Community Management. Das heißt: Marken gehen aktiv in die Räume, in denen ihre Community ohnehin spricht. Sie reagieren nicht nur auf Kommentare unter den eigenen Posts, sondern auch auf Inhalte, die Fans, Kund:innen, Creator oder Mitarbeitende selbst teilen. Sie liken, kommentieren, würdigen und steigen dort in Gespräche ein, wo echte Begeisterung entsteht. Nicht aufdringlich. Nicht werblich. Nicht mit Copy-Paste-Kommentaren. Sondern aufmerksam.


Wenn jemand ein liebevoll gestaltetes Foto mit schleich Figuren postet, dann ist ein Kommentar der Marke mehr als ein nettes Social-Media-Signal. Er sagt: Wir sehen dich. Wir schätzen deine Kreativität. Du bist nicht nur Reichweite für uns, sondern Teil dessen, was diese Marke lebendig macht.


Gerade für Marken mit emotionalen Produkten ist das ein enormer Hebel. Denn Community entsteht nicht nur auf den eigenen Kanälen. Sie entsteht überall dort, wo Menschen die Marke in ihr Leben integrieren: in Kinderzimmern, in Sammlervitrinen, in Reels, in Pinterest-Ideen, in Kommentaren, in Gesprächen zwischen Fans.


Outbound Community Management verlangt ein anderes Verständnis von Kontrolle. Markenführung bedeutet dann nicht mehr nur, Botschaften zu planen und zu veröffentlichen. Es bedeutet, Gespräche zu erkennen, aufzugreifen und mitzugestalten. Das ist anspruchsvoller als ein Redaktionsplan. Aber auch wirkungsvoller.


Community Management gehört auf die strategische Agenda

Für Kommunikationsverantwortliche und CMOs ist Community Management deshalb kein Nice-to-have. Es ist Frühwarnsystem, Resonanzraum, Vertrauenskanal und Markeninstrument zugleich. In der Community zeigt sich oft früher als in jeder Studie, welche Themen funktionieren, welche Fragen offen sind, welche Produkte begeistern, welche Botschaften missverstanden werden und wo eine Marke wirklich relevant ist. Wer dort nur moderiert, verschenkt Erkenntnisse. Wer dort strategisch zuhört, gewinnt Nähe.


Natürlich braucht es dafür Ressourcen, klare Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Verständnis von Tonalität. Aber vor allem braucht es eine Haltungsänderung. Community Management darf nicht erst beginnen, wenn der Content live ist. Es muss in Strategie, Kampagnenplanung und Erfolgsmessung mitgedacht werden. Denn am Ende wird die Qualität einer Marke nicht nur daran gemessen, was sie über sich selbst erzählt. Sondern auch daran, wie sie reagiert, wenn andere über sie sprechen. Reichweite kann Aufmerksamkeit kaufen. Vertrauen muss man sich verdienen.


 TAKE AWAY

Fünf Prinzipien für strategisches Community Management

  1. Follower sind Reichweite. Community ist Beziehung.

Strategisch relevant wird eine Audience erst, wenn Menschen reagieren, wiederkommen, mitgestalten und Vertrauen entwickeln.


  1. Sichtbarkeit ist kein Ersatz für Vertrauen.

Reach, Likes und Impressions zeigen, ob Content gesehen wird. Nicht, ob eine Marke verstanden, geschätzt oder vermisst würde.


  1. Inbound Community Management macht Marken ansprechbar.

Wer Fragen beantwortet, Feedback aufgreift und Dialog ermöglicht, führt die Marke nicht nur in Kampagnen, sondern im täglichen Kontakt.


  1. Outbound Community Management zeigt echte Nähe.

Wer auch dort interagiert, wo die Community selbst Inhalte teilt, stärkt Bindung jenseits der eigenen Kanäle.


  1. Die entscheidende Management-Frage lautet nicht nur:

Wie viele Menschen erreichen wir? Sondern: Welche Beziehung entsteht daraus?



Bettina Pöhlmann ist Head of Marketing DACH & Head of Global Social Media bei schleich. Die Marketingleitung für die DACH-Region verantwortet sie im Job-Sharing, die globale Social-Media-Strategie in alleiniger Führung. Ihr Fokus: Brand und Performance zusammendenken, so dass Social Media nicht nur Reichweite erzeugt, sondern loyale Communitys aufbaut. Ihre Schwerpunkte sind Content, Consumer Engagement und Marketing to Kids. Zuvor war sie u. a. bei LEGO tätig und bringt über 15 Jahre Erfahrung im internationalen Marketing mit. Ihr Credo: Likes are nice. Loyalty is better.





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