„Gute Kommunikation wird zu häufig durch die eigene Schere im Kopf verhindert"
- Nicole Mommsen
- 11. Dez. 2025
- 10 Min. Lesezeit
NICOLE MOMMSEN, im Interview
Nicole Mommsen verfügt über 25 Jahre Erfahrung im Journalismus und in der strategischen Unternehmenskommunikation. Nach ihrem Studium der Regionalwissenschaften Nordamerika, Politikwissenschaft und Rechtswissenschaften in Bonn sowie ihres Journalismus-Studiums an der Northwestern University in Illinois begann sie ihre Karriere im Jahr 2000 als Wirtschaftsjournalistin bei Bloomberg News. Es folgten Positionen bei der Deutschen Post DHL, Brunswick, Merck und Goldman Sachs. Im Jahr 2020 übernahm sie die Konzernkommunikation bei Volkswagen, von wo sie zur Deutschen Bahn wechselte und bis zum CEO-Wechsel im Oktober 2025 den Bereich Kommunikation und Marketing verantwortete.
Frau Mommsen, wenn Sie heute einer Nachwuchskraft erklären müssten, was sich in der Kommunikation in den letzten zehn Jahren wirklich verändert hat, was wären die wichtigsten Punkte?
Nicole Mommsen: Die größte Veränderung ist definitiv die Art und Weise, wie kommuniziert wird. Bei den meisten Unternehmen stehen heute neben Produkten und Dienstleistungen Strategie, Stakeholder Agenda und Purpose im Mittelpunkt. Top-Themen werden gezielt über eigene Kanäle und Plattformen ausgespielt. Das war vor 10 Jahren noch anders. Damals war die Pressestelle die mächtigste Abteilung in der Unternehmenskommunikation, während PR, Marketing und Social Media eher kommunikatives Beiwerk waren. Heute wird Kommunikation integrierter gedacht. Interne, externe, politische und Marketing-Kommunikation stehen nicht mehr als unabhängige Säulen nebeneinander, sondern sind Teil eines einheitlichen Kommunikationsansatzes. Die Grenzen verschwimmen zunehmend.
Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für diese Veränderungen?
Nicole Mommsen: Nicole Mommsen: Es gibt zwei große Treiber: Die Kommunikationsbranche ist viel professioneller geworden und hat sich von der klassischen PR hin zu einem strategischen Geschäftsfeld entwickelt. Kommunikation setzt sich heute messbare Ziele, nutzt Data-Analytics-Tools zur Wirkungsmessung und entscheidet auf dieser Basis über den Einsatz von Ressourcen – sowohl beim Personal als auch beim Budget. Auch die Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Kommunikationsabteilungen. Der zweite wichtige Treiber ist die Demokratisierung der Kommunikation, jeder kann heute Inhalte produzieren. Es ist schwieriger, die Aufmerksamkeit der Stakeholder auf die eigenen Themen zu lenken, deshalb sind integrierte Kampagnen essentiell für eine erfolgreiche Kommunikation.
Sie haben Kommunikation in unterschiedlichen Welten erlebt – von Bloomberg bis zur Deutschen Bahn. Was unterscheidet sich tatsächlich?
Nicole Mommsen: Die Unterschiede sind geringer, als man meint. Ob bei Bloomberg oder der Deutschen Bahn – am Ende geht es darum, aufzuzeigen, wie sich einzelne Themen in die Gesamtstrategie einfügen. Das „So what?“ ist dabei entscheidend: Warum sollen Aktionäre in eine Aktie investieren? Warum soll die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen? Warum sollen Mitarbeitende gerne für ein Unternehmen arbeiten und Kunden den Produkten und Leistungen vertrauen?
Wenn man diese Herangehensweise einmal verinnerlicht hat, prägt sie die gesamte Kommunikation. Bei Bloomberg sind Nachrichten immer gleich strukturiert: Im ersten Absatz steht die Nachricht, im zweiten stehen die Fakten, die diese Nachricht untermauern, im dritten steht die Einordnung in die Gesamtstrategie und im vierten ein Zitat. Das ist ein bewährtes Muster.
Ich bin ein großer Freund davon, Strategie und Ziele klar beim Namen zu nennen – und dann sowohl Fort schritte als auch Hürden transparent zu kommunizieren. Dadurch entsteht echte Glaubwürdigkeit. Bei Merck standen die Diversifizierung des Geschäftsmodells in Richtung Life Science und die Neupositionierung der Marke im Vordergrund. Bei Volkswagen war es die konsequente Ausrichtung auf die E-Mobilität. Und bei der Bahn ging es zuletzt um die Sanierung in den drei Dimensionen Infrastruktur, Betrieb und Wirtschaftlichkeit. Natürlich findet diese Transparenz nicht jeder im Unternehmen gut, weil sie viel Disziplin voraussetzt. Aber ob in der Wirtschaft oder der Politik: Ohne diese Disziplin funktioniert glaubwürdige Kommunikation schlicht weg nicht.
2025 war ein Jahr der Unsicherheiten. Worauf kommt es in diesen von Transformation und Krisen geprägten Zeiten in der strategischen Kommunikation an?
Nicole Mommsen: Die deutsche Wirtschaft steht vor enormen Herausforderungen – angefangen bei der geopolitischen Lage bis hin zur digitalen Transformation. Die zentrale Aufgabe strategischer Kommunikation ist es, diese Herausforderungen zu benennen und transparent zu beschreiben, wie Unternehmen ihnen begegnen. Das gilt sowohl intern als auch extern.
Intern haben vor allem Vorstand und Führungskräfte die Aufgabe zu erklären, warum Veränderungen – auch in der Unternehmenskultur – wichtig sind. Extern müssen Ziele klar benannt und Fortschritte kommuniziert werden.
Bei der Bahn sind Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen ein Dauerthema. Nachdem entschieden worden war, in die Modernisierung von Bahnhöfen im ganzen Land zu investieren, haben wir das Thema 2025 zum Top-Thema gemacht. Weil Millionen Menschen einen direkten Bezug dazu haben und an diesem Beispiel gezeigt werden kann, dass sich etwas zum Positiven verändert. Entscheidend ist dabei, dass es gerade in der Transformation gelingt, sich auf wenige Themen zu fokussieren und Unnötiges wegzulassen. Wer alles kommuniziert, kommuniziert am Ende nichts.
Marken und Unternehmen als Orientierungsgeber – das war ein zentrales Thema in Branchenstudien dieses Jahres. Wie viel Haltung müssen Unternehmen in den aktuellen Zeiten zeigen?
Nicole Mommsen: Ich hatte in den vergangenen Jahren das große Glück, in Unternehmen mit einem starken Wertegerüst zu arbeiten. Klassische Haltungsthemen wie Toleranz, das Bekenntnis zu Vielfalt in Belegschaft und Gesellschaft oder die nachhaltige Transformation der Wirtschaft können gerade in Zeiten der Unsicherheit Stabilität geben. Umgekehrt tragen Unternehmen eine große Verantwortung, wenn es um die Verteidigung demokratischer Werte oder die Resilienz unserer Gesellschaft geht.
Aktuell fahren viele Unternehmen ihre Haltungskommunikation zurück. Die Gründe dafür sind vielfältig: vom Restrukturierungs- und Kostendruck über eine stärkere Fokussierung auf die Produktkommunikation bis hin zu Verschiebungen in der gesellschaftlichen Debatte.
Bei Themen wie der Wehrfähigkeit unseres Landes halten sich Firmenchefs lieber zurück, was nicht zuletzt der jüngeren Historie – Stichwort Friedensdividende – geschuldet ist. Dabei brauchen wir die Debatte dringend.
Auch aus Marken-Sicht greift eine Entweder-oder-Betrachtung zu kurz. Als Orientierungsgeber funktioniert eine Marke nur dann, wenn sie durch starke Werte untermauert wird. Der eigentliche Markenwert – also der Grund, warum Menschen Marken vertrauen – besteht häufig aus Faktoren, die nicht unmittelbar greifbar sind.
Damit diese Stabilität wirken kann, müssen Unternehmen ihre eigenen Themen gezielt auf die Agenda bringen. Proaktiv versus reaktiv – wie entwickelt man die richtige Balance in der Kommunikation allgemein? Oder ist Balance vielleicht sogar der falsche Ansatz?
Nicole Mommsen: Ich bin in der Regel für eine proaktive Kommunikation. Über Unternehmen wie die DHL, Volkswagen, Goldman Sachs oder die Deutsche Bahn wird ohnehin gesprochen. Dahinter steht die Erkenntnis: Wer die Agenda nicht selbst setzt, wird fremdbestimmt.
Die Frage nach der Balance ist dennoch berechtigt, denn es geht am Ende immer darum, wie Ressourcen optimal eingesetzt werden. Beeindruckend fand ich den Ansatz bei Goldman Sachs nach der Finanzkrise: Dort stand ein kleines, hochprofessionelles Presseteam einem deutlich größeren Brand-&-Content-Team gegenüber. Das war eine bewusste strategische Entscheidung.
Gleichzeitig gilt: Die Interessen der Stakeholder müssen bedient werden, und zwar transparent und wann immer möglich mit einem eigenen Statement oder O-Ton. In einem Unternehmen wie der Bahn mit mehr als 25.000 Presseanfragen pro Jahr bindet das extrem viele Ressourcen.
Und natürlich ist das auch ein Mindset-Thema: Ich erinnere mich noch an Pressesprecher, die Fragenkataloge schriftlich beantwortet und nur selten mit Journalisten gesprochen haben, geschweige denn Themen aktiv gesetzt haben. Da haben wir dann in Jahresgesprächen auch schon mal konkrete Networking-Ziele vereinbart.
Viele Kommunikationsstrategien scheitern an der Realität. Welche Faktoren entscheiden darüber, ob strategische Kommunikation tatsächlich in die Umsetzung kommt?
Nicole Mommsen: Strategische Kommunikation sollte niemals Selbstzweck sein. Das bedeutet konkret: Wenn sich die Unternehmensstrategie ändert oder angepasst werden muss, sollte auch die Kommunikation entsprechend mitziehen. Das klingt banal, wird aber erstaunlich häufig übersehen oder bewusst unter den Teppich gekehrt.
Ein positives Beispiel ist die E-Mobilität: Es war strategisch völlig richtig, auch kommunikativ alle Eier in einen Korb zu legen – anstatt auf eine vermeintliche Technologieoffenheit zu setzen, die Verbraucher nur verwirrt hätte. Wenn die Transformation jedoch länger dauert als ursprünglich geplant, muss man den Tatsachen ins Auge sehen und die Kommunikation entsprechend anpassen, ohne dabei die Grundrichtung zu verlassen.
Ein ähnliches Thema ist die Pünktlichkeit bei der Bahn: Einem unrealistischen Pünktlichkeitsziel, macht weder inhaltlich noch kommunikativ Sinn, weil Erwartungen geweckt werden, die schlichtweg nicht erfüllt werden können. Glaubwürdige Kommunikation orientiert sich an der Realität, nicht an Wunschvorstellungen. Wer das nicht beherzigt, verliert früher oder später das Vertrauen seiner Stakeholder.
Transparenz gilt dabei häufig als Goldstandard. Wann ist strategisches Schweigen die bessere Wahl?
Nicole Mommsen: Wenn Kommunikation zu mehr Unsicherheit führt als zur Klarstellung, kann strategisches Schweigen der richtige Weg sein. Gerade in der Politik haben wir in den vergangenen Monaten einige Beispiele gesehen, in denen einzelne Äußerungen langwierige Debatten ausgelöst haben.
Grundsätzlich besteht immer die Gefahr, dass transparente Kommunikation gegen ein Unternehmen verwendet wird. Hier müssen Risiken und Chancen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
Es kann durchaus sinnvoll sein, kritische Themen wie den geplanten Stellenabbau zunächst hinter verschlossenen Türen anzusprechen. Und natürlich gibt es auch rechtliche oder strategische Gründe. Bei einer geplanten Übernahme hat ein Unternehmen verständlicherweise kein Interesse daran, dass diese Absicht frühzeitig publik und dadurch der Preis in die Höhe getrieben wird.
Ich habe aber auch den umgekehrten Fall erlebt: Als sich Goldman Sachs 2019 im Investoren-Call bei der malaysischen Bevölkerung für den Betrugsskandal um den malaysischen Staatsfonds entschuldigte, war das ein absoluter Paukenschlag. Am Ende hat diese frühzeitige Transparenz zu einer außergerichtlichen Einigung geführt, die schlimmere Reputationsschäden verhindert hat.
Kommunikationsabteilungen müssen immer mehr Return of Investment nachweisen. Bei knappen Ressourcen: Nach welchen Kriterien setzen Sie kommunikative Prioritäten?
Nicole Mommsen: Ich setze mich in der Regel zweimal im Jahr mit dem gesamten Vorstand zusammen, um über die Wirkung der bisherigen Kommunikation und die Prioritäten für die nächsten Monate zu sprechen – und zwar sowohl auf Basis der Konzernstrategie als auch der Ziele von Marken oder Geschäftsbereichen.
Ein konkretes Beispiel ist die Kampagne rund um die Generalsanierung der Riedbahn, der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim. Das Ziel war dass 80 Prozent der deutschen Bevölkerung nach der Kampagne das Konzept der Generalsanierung kennen. Das war wichtig, um die Akzeptanz monatelange Vollsperrungen und die damit verbundenen Belastungen zu gewinnen, und natürlich, damit die Politik dieses Konzept mitträgt. Und auch intern mussten wir noch Überzeugungsarbeit leisten. Alle kommunikativen Maßnahmen wurden so konzipiert, dass sie auf dieses Ziel einzahlen – von der klassischen Pressearbeit über Social Media bis hin zu Bürgerdialogen vor Ort. Am Ende konnten wir tatsächlich nachweisen, dass wir diese Bekanntheit erreicht haben. Vor einem Jahr haben wir uns bei der Bahn dann ein besonders kühnes Ziel gesetzt: Wir wollten 50 Prozent weniger, und zwei Drittel aller Themen sollten auf die Sanierung des Konzerns einzahlen, um zu zeigen, dass wir es ernst meinen. Auf einmal trug natürlich jedes Thema irgendwie auch zur Sanierung bei… (lacht).
Kommunikation soll immer mehr Bereiche orchestrieren, bekommt aber weniger Ressourcen. Wie lässt sich dieser Widerspruch lösen?
Nicole Mommsen: Diese Beobachtung ist völlig richtig. Heute braucht es deutlich mehr Verzahnung zwischen den verschiedenen Bereichen – integrierte Kommunikation wird eher zunehmen.
Der Grund liegt auf der Hand: Viele Unternehmen sind mitten in der Restrukturierung, Ressourcen und Budgets werden knapper und müssen gezielter eingesetzt werden. Um maximalen Nutzen zu erzielen, muss effizienter gearbeitet werden – Doppelstrukturen können wir uns nicht mehr leisten. Für mich heißt das aber nicht, dass jede Disziplin auch im Kommunikationsbereich angesiedelt sein muss.
Für wirklich effektive Kommunikation braucht es viel mehr das Verständnis, alle Bereiche im Blick zu behalten. Entscheidend ist eine gemeinsame Strategie, und deren Entwicklung braucht Zeit und Energie.
Das ist ein intensiver Prozess, der gemeinsam erarbeitet werden muss – reiner Informationsaustausch reicht nicht aus. Am Ende bedarf es klarer Entscheidungen und einer einheitlichen Linie.
Welche Rolle spielt dabei der Einsatz künstlicher Intelligenz?
Nicole Mommsen: KI hilft und zwingt uns, Ressourcen über alle Bereiche – Kommunikation, Marketing, Public Affairs, Investor Relations – gezielter einzusetzen. Im Marketing hat die klassische Search Engine Optimization (SEO) langsam ausgedient, Produkte werden von der KI verglichen, und als Kunde bekomme ich nur noch das Ergebnis präsentiert. Deshalb wird der Kontext immer wichtiger – Inhalte auf Websites, in Geschäftsberichten, Investorenpräsentationen, Advertorials oder Medienberichten müssen noch besser aufeinander abgestimmt werden.
Auch welche Themen trenden und wie meine Stake holder über ein Thema denken, kann ich mit KI-Tools viel besser und in Echtzeit erfassen. Wenn ich mir vorstelle, dass Briefings, Sprachregelungen, Pressemitteilungen oder Reden von der KI auf Basis des gemeinsamen Daten-Pools geschrieben und an diverse Stakeholdergruppen passgenau ausgespielt werden, spielt das wieder für alle Abteilungen Ressourcen frei. In diesem Jahr wurden dazu wichtige Vorarbeiten geleistet, in Trainings und Upskilling investiert, Daten sortiert und gepromptet, was das Zeug hält.
Wie viel der Führungsaufgabe für dieses gemeinsame Vorgehen ist Mindsetarbeit?
Nicole Mommsen: Mindestens zwei Drittel. Das ist keine Übertreibung, sondern schlichte Realität. Zusammenarbeit bedeutet zuerst mal auch immer mehr Abstimmung, und diese wachsende Komplexität muss aktiv gemanagt werden. Je größer und komplexer die Organisation, desto größer ist die Managementverantwortung.
In vielen Kommunikationsbereichen wird heute schon projektbezogen gearbeitet. Mitarbeitende in der Kommunikation sind längst nicht mehr nur für ihren eigenen Fachbereich zuständig, sondern werden zu Generalisten, die sich in verschiedene übergreifende Projekte einbringen. Das eröffnet neue Perspektiven und macht die Arbeit deutlich vielseitiger. Als Führungskraft muss ich diese Dynamik kanalisieren und meine Teams dabei unterstützen, diese neuen Möglichkeiten zu entdecken und zu nutzen.
Klar ist, diese massiven Veränderungen gehen nur gemeinsam, mit echter Wertschätzung und auf Augenhöhe. Natürlich ist es eine riesige Herausforderung, wenn ich die Aufgaben, die ich jahrelang gemacht habe und die mir psychologische Sicherheit gegeben haben, künftig nicht mehr machen soll, weil die KI sie übernimmt oder sie ganz wegfallen. Ein so fundamentaler Wandel braucht klare Führung und vor allem einen langen Atem.
Würden Sie sagen, es gibt Konstanten erfolgreicher Kommunikation – auch über Jahre hinweg?
Nicole Mommsen: Ja, definitiv: Sichtbarkeit und Mut. Diese beiden Faktoren ziehen sich durch alle erfolgreichen Kommunikationsstrategien.
Entgegen mancher Trends lebt Kommunikation von Sichtbarkeit und stetiger Wiederholung. Das ist manchmal mühsam, aber absolut unverzichtbar.
Der CEO von Goldman Sachs, David Solomon, hat zu Beginn seiner Amtszeit treffend gesagt, dass er seine Botschaften 1000-mal wiederholen muss, bis die Menschen beginnen, ihm zuzuhören. Das klingt zunächst übertrieben, aber dahinter steckt eine fundamentale Wahrheit: Einmal gesagt ist längst nicht einmal gehört.
Der zweite entscheidende Faktor ist Mut. Gute Kommunikation wird viel zu häufig durch die eigene Schere im Kopf verhindert. Ich erlebe das immer wieder: Teams entwickeln brillante Strategien, schrecken dann aber vor der Umsetzung zurück, weil sie Angst vor der eigenen Courage haben.
Dabei schafft genau diese Klarheit Glaubwürdigkeit. Wer den Mut auf bringt, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, gewinnt langfristig mehr Vertrauen als derjenige, der immer nur das sagt, was alle hören wollen.
Die Fragen stellten Gregor Vischer und Maike Weismantel.
TAKE AWAY
Frau Mommsen, was sind Ihre drei Thesen für das kommende Jahr?
„Erstens: Wir werden im nächsten Jahr den vollständigen Durchbruch von KI in der praktischen Anwendung erleben. Dieses Jahr hat eine rasante Entwicklung genommen – von ersten Ideen über Pilotprojekte bis hin zur breiten Erprobung. Diese Piloten werden jetzt ausgerollt, und wir werden erleben, dass komplette Kommunikationsprodukte mit Unterstützung von KI erstellt werden.
Zweitens: Die Unternehmenskommunikation wird sich stärker auf das Kerngeschäft fokussieren. Viele Unternehmen befinden sich in Restrukturierungsprozessen und definieren sich neu – diese Konzentration wird sich weiter festigen. Letztendlich geht es um die Profitabilität und die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle, und diese Agenda wird die Kommunikation dominieren.
Drittens: Das Thema Wehrhaftigkeit unserer liberalen Demokratie wird für Deutschland zu einem zentralen Kommunikationsthema werden. Diese Diskussion wird alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche erfassen. Die Frage nach Deutschlands strategischer Ausrichtung und die Frage nach der Resilienz unserer Gesellschaft werden Unternehmen, Politik und Gesellschaft gleichermaßen beschäftigen – hier kann und muss Kommunikation den entsprechenden Resonanzraum schaffen.“




