Kontrolle
„Sie dürfen hier noch nicht durch. Die Bombe wird weiterhin entschärft.“
„Das kann nicht stimmen. Hier steht, dass alles längst vorbei ist.“
Bei einer Google-Suche erschien ganz oben eine KI-generierte Zusammenfassung. Gleichzeitig schien eine Schlagzeile zu bestätigen, dass die Entschärfung beendet sei – tatsächlich stammte der Bericht aus dem Vorjahr. Die Menschen an der Absperrung handelten nachvollziehbar. Wie so viele in einer Krise suchten sie keine perfekte Antwort, sondern Orientierung.
Diese Szene zeigt: Die entscheidende Frage lautet nicht, wie wir Kommunikation kontrollieren, sondern was wir überhaupt noch kontrollieren können. Viele Stimmen. Eine Entscheidung. Genau darin liegt die Herausforderung moderner Kommunikation.
Heute konkurriert nicht mehr nur die richtige Information mit der falschen, sondern auch die glaubwürdige Quelle mit der vermeintlich glaubwürdigen. Und wir verlieren noch immer wertvolle Zeit durch langwierige Freigaben, starre Prozesse und den Hang zur Perfektion. Ob Energieversorger, Feuerwehr, Dax-Konzern oder Start-up – am Ende werden wir nicht daran gemessen, ob wir alles kontrollieren, sondern daran, wie wir handeln, wenn Kontrolle an ihre Grenzen stößt. Wer versucht, jede Stimme zu kontrollieren, wird scheitern. Kontrolle bedeutet für mich, das eigene kommunikative Handeln zu verantworten.
Wir entscheiden, ob, wann, wo und wie wir etwas sagen oder schreiben. Das ist Verantwortung – und die Form von Kontrolle, die tatsächlich bei uns liegt. Damit wird sichtbar, welche Haltung uns antreibt. Menschen erleben, ob Kommunikation verlässlich ist – und daraus entsteht Vertrauen. Nicht weil Kommunikation alles kontrolliert, sondern weil Verantwortung auch dann übernommen wird, wenn sich längst nicht mehr alles kontrollieren lässt.
Angesichts der Grenzen von Kontrolle dürfen wir weder resignieren noch an einem überlieferten Verständnis festhalten, nach dem Kommunikation vollständig steuerbar sei. Wer Verantwortung übernimmt, führt.

Michael Klahre leitet die Pressestelle der Feuerwehr Dresden und verantwortet die interne und externe Kommunikation. Seine Einsatzerfahrung prägt seinen Blick auf Krisenkommunikation. Für die Krisenkommunikation rund um den Einsturz der Carolabrücke wurde er mit dem ‚Gradmesser für exzellente Kommunikation‘ ausgezeichnet. Er ist gefragter Speaker und Berater.



