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Marion Schrod-Heine, Senior Partnership und Event Managerin, F.A.Z. Institut

Senior Partnership und Event Managerin

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Gesellschaft ohne Kommunikation zerfällt

  • 26. März
  • 7 Min. Lesezeit

Wie Verständigung Zukunft ermöglicht


Tharman Shanmugaratnam, amtierender Präsident Singapurs, brachte es beim Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos auf den Punkt: „Strengthen relationships at home, listen to hopes and fears. Let all contribute to the development of a society. That should be in the center of public policy.“ Ein Aufruf zum Handeln für lokale oder nationale Gesellschaften und eine Motivation, sich für mehr Zusammenhalt einzusetzen. Doch ist dies schon überall der Fall?


Die gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen sind komplex, vielschichtig und tief miteinander verwoben. Klimawandel, demographischer Wandel, digitale Transformation, soziale Ungleichheit, geopolitische Spannungen und eine wachsende politische wie kulturelle Polarisierung stellen Gesellschaften überall auf der Welt vor große Aufgaben. Die Geschwindigkeit des Wandels überfordert etablierte Institutionen ebenso wie individuelle Orientierungsfähigkeiten. Doch in dieser Situation entscheiden nicht allein technisches Wissen oder ökonomische Leistungsfähigkeit über die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften, sondern etwas Fundamentaleres: die Fähigkeit, adäquat zu kommunizieren.


Gesellschaften scheitern nicht an mangelndem Wissen, das im Überfluss gegeben ist – Zitat von BDI-Präsident Peter Leibinger: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem“ –, auch häufig nicht an fehlenden Ressourcen, sondern an unzureichender, fragmentierter oder dysfunktionaler Kommunikation. Wo aber Verständigung ausbleibt, zerfällt der gesellschaftliche Zusammenhalt: in der Nachbarschaft, dem Stadtteil, im Land, global. Doch wo Kommunikation zu Veränderungsschritten erfolgt, entsteht Zukunft.


Gesellschaft als kommunikatives Gefüge


Die Soziologie, insbesondere in der Tradition von Niklas Luhmann, versteht Gesellschaft nicht primär als Ansammlung von Individuen, sondern als System von Kommunikation.


Gesellschaft existiert dort, wo Anschlusskommunikation gelingt, wo Aussagen gehört, beantwortet, widersprochen oder weitergeführt werden. Bricht diese Anschlussfähigkeit ab, zerfällt nicht nur der Diskurs, sondern langfristig auch der soziale Zusammenhalt. 

Diese Perspektive schärft den Blick auf gegenwärtige Krisen. Wenn Kommunikation abreißt oder nur noch innerhalb homogener Gruppen stattfindet, verliert Gesellschaft ihre Integrationskraft – seit geraumer Zeit auf der Weltbühne zu beobachten. Digitale Medien verstärken diesen Effekt: Algorithmisch gesteuerte Öffentlichkeiten fördern emotionale Zuspitzung, Polarisierung und die Ausbildung von Echokammern. Der öffentliche Raum, historischer Ort gemeinsamer Auseinandersetzung, zerfällt in parallele Diskursräume mit je eigenen Wahrheitsansprüchen. Vielfalt schlägt nicht in produktiven Pluralismus um, sondern in soziale Entkopplung und Empörung.


Gesellschaftskommunikation – längere Zeit weniger in unserem Fokus – hat eine vermittelnde Funktion. Sie übersetzt, verbindet und macht Konflikte sichtbar, ohne sie zu übergehen oder vorschnell als gelöst zu labeln. Wo diese Übersetzungsleistung ausbleibt, entstehen Misstrauen, Polarisierung und das Gefühl, nicht mehr Teil eines gemeinsamen „Großen und Ganzen“ zu sein.


Philosophische Perspektiven: Verständigung als normative Grundlage


Die Philosophie hat früh erkannt, dass Kommunikation mehr ist als Informationsübertragung. Habermas entwickelte mit der Theorie des kommunikativen Handelns ein normatives Modell gesellschaftlicher Integration. Und Demokratie lebt von der Annahme, dass Konflikte sprachlich bearbeitet und rational verhandelt werden können. Bereits Georg Wilhelm Friedrich Hegel verstand soziale Wirklichkeit als Prozess wechselseitiger Anerkennung.


Gerät diese Grundlage aus der Balance, verliert Demokratie ihre Basis. Politische Entscheidungen erscheinen dann nicht mehr als Ergebnis gemeinsamer Willensbildung, sondern als Durchsetzung partikularer Interessen. Vertrauen in Institutionen sinkt, gesellschaftliche Bindungen lösen sich. Kommunikation wird strategisch instrumentalisiert oder durch affektive Mobilisierung ersetzt. Damit gerät der ethische Kern moderner Gesellschaft unter Druck: die globale Idee, dass Zukunft durch Verständigung gestaltbar ist. In diesen Tagen muss man einige an diesen Wert erinnern, wenn die Welt nicht im Chaos versinken soll.


Gesellschaftlicher Wandel als kommunikative Aufgabe


Gesellschaftlicher Wandel erfordert daher kollektive Sinnstiftung. Menschen müssen verstehen, warum Veränderungen notwendig sind, wie sie betroffen sein werden und wie sie selbst handlungsfähig bleiben. Kommunikation ist dabei nicht Begleitmusik, sondern Kern des Prozesses.

Es braucht eine erneuerte Gesellschaftskommunikation, um Gemeinsames zu definieren und vom „Ich“ wieder zum „Wir“ zu gelangen.

Diese Einsicht wird auch durch Transformations- und Organisationsforschung gestützt. John P. Kotter zeigt, dass rund 70 Prozent aller Veränderungsprozesse scheitern – meist nicht an fehlender Strategie, sondern an nicht adäquater Kommunikation und Beteiligung. Elias Canetti ergänzt: „Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes.“


Übertragen auf Gesellschaften bedeutet das: Politischer, ökologischer, technischer und sozialer Wandel lässt sich nicht verordnen, sondern muss erklärt werden, Menschen abgeholt und eingebunden werden. Ohne transparente Kommunikation entstehen Widerstände und Vertrauensverluste. Gesellschaftlicher Wandel ist kein technisches Projekt, sondern ein kollektiver Lernprozess – besonders im Kontext Künstlicher Intelligenz.


Fallbeispiele belegen: Kommunikation als Zukunftsstrategie


Beispiele zeigen, dass gezielte Gesellschaftskommunikation gesellschaftlicher Fragmentierung entgegenwirken kann, auch wenn nie alle Bürgerinnen und Bürger eine einzige Meinung teilen werden. Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften zu stärken. Japan verfolgt mit dem Leitbild Society 5.0 seit Jahren einen bewusst kommunikativen Ansatz gesellschaftlicher Transformation. Angestrebt wird eine menschenzentrierte, digitale Gesellschaft, in der technologische Innovation soziale Probleme löst. Zentrales Element ist der systematische Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, der Zukunft als gemeinsame Entwicklung begreift.


Auch Dänemark gilt als Vorreiter dialogischer Politikgestaltung. Zentrale Reformen, etwa in der Arbeitsmarktpolitik, wurden durch breite Beteiligungsprozesse begleitet. Das Konzept der Flexicurity verbindet wirtschaftliche Flexibilität mit sozialer Sicherheit und aktiver Arbeitsmarktpolitik und wurde durch intensive Kommunikation zwischen Staat, Sozialpartnern, Unternehmen und Bürgern legitimiert. Es ist zugleich deutlich verständlicher als das stark fragmentierte deutsche Sozialgesetzbuch. In der Klimapolitik setzt Dänemark ebenfalls auf frühe Bürgerbeteiligung und transparente Entscheidungsprozesse. Kommunen fungieren dabei als zentrale Dialogorte. Entsprechend hoch ist das gesellschaftliche Vertrauen: Rund drei Viertel der Däninnen und Dänen gaben in einer Studie an, anderen Menschen grundsätzlich zu vertrauen – deutlich mehr als in anderen europäischen Staaten.


Und beim Beispiel aus Baden-Württemberg ist der Bürgerrat „KI und Freiheit“ (2025) den Empfehlungen zur Beteiligung der Bevölkerung an öffentlich geförderter KI-Forschung gefolgt. Ergänzend zu den Sitzungen fanden öffentliche Veranstaltungen statt, die Wissen vermittelten, Zufriedenheit steigerten und die gesellschaftliche Debatte vertieften.


Dialogformate und neue Kommunikationsarchitekturen


Solche Beispiele verweisen auf die wachsende Bedeutung deliberativer Formate zum Ziel einer gesellschaftlichen Wertschöpfung: Bürgerräte, Zukunftsdialoge, Bürgerhaushalte, kommunale Dialogveranstaltungen oder sogenannte Reallabore. Diese Formate, ob digital, hybrid oder real, schaffen Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden und komplexe Themen jenseits medialer Zuspitzung verhandelt werden können. Demokratieforschung und Sozialpsychologie unterstreichen, dass deliberative Verfahren Polarisierung reduzieren, Komplexitätsverständnis erhöhen und die Qualität von Entscheidungen verbessern. Gesellschaft lernt, sich selbst zuzuhören. Kommunikation wird zur sozialen Infrastruktur: Sie ermöglicht Anschlussfähigkeit, Integration und kollektives Lernen. So entsteht erst die Basis, auf der ein Gleichverständnis wachsen kann. Eine Herausforderung bleibt: dem Tempo des Wandels mit geeigneten Mitteln zu begegnen.


Partizipation neu denken


Dies alles zeigt: Klassische Formen gesellschaftlicher Kommunikation – Wahlen, parlamentarische Debatten, Qualitätsmedien – bleiben in einer Demokratie unverzichtbar, sind jedoch angesichts des beschleunigten Wandels bei hoher Komplexität längst nicht mehr ausreichend. Die Vielfalt sozialer Erfahrungen und Wissensformen verlangt nach kontinuierlicher Beteiligung – ohne zu langsam zu werden. Digitale Plattformen, hybride Dialogformate und kokreative Prozesse erweitern den Möglichkeitsraum gesellschaftlicher Verständigung. Partizipation erhöht die Qualität politischer Entscheidungen, weil sie Wissen aus unterschiedlichen Lebenswelten integriert. Im Hinblick auf die Kommunikationsarbeit der Bundesregierung heißt dies: Die klassische Arbeit beispielsweise des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung hat einiges an Potential zu heben…


Die Konsequenzen sind ansonsten groß: Wo intensive Gesellschaftskommunikation ausbleibt, drohen Desorientierung, Vertrauensverlust und Desintegration. Soziale Gruppen ziehen sich in identitäre Räume zurück, politische Lager verlieren ihre Dialogfähigkeit. Die Soziologie beschreibt diese Entwicklung als soziale Spaltung, die weniger ökonomisch als kommunikativ bedingt ist.


Diese Entwicklung gefährdet die kollektive Problemlösungs- und Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften. Herausforderungen wie Klimawandel, gesellschaftliche Vielfalt oder technologische Disruption erfordern Verständigung über Werte, Verantwortung und Zumutungen. Ohne Kommunikation entstehen Blockaden, Vertrauen erodiert und selbst wissenschaftlich fundierte Lösungen scheitern. Informationsvermittlung allein reicht dafür nicht aus.


Kommunikation als Zukunftskompetenz


Zukunftsfähige Gesellschaften zeichnen sich daher nicht durch Konfliktfreiheit aus, aber durch ihre kommunikative Kompetenz im Umgang mit Divergenzen. Sie investieren in Diskursräume, Medienbildung, professionelle Moderation, Mediation und transparente Institutionen. Kommunikation wird nicht als nachgelagerte Maßnahme verstanden, sondern als strategische Ressource gesellschaftlicher Entwicklung – oder um im Wirtschaftsjargon zu sprechen: Kommunikation ist Chefsache.


Dabei geht es nicht in erster Linie um Harmonie, sondern um produktive Differenz. Kommunikation ermöglicht auf Basis definierter und ausgehandelter gemeinsamer Werte, Unterschiedlichkeit auszuhalten, ohne den sozialen Zusammenhalt zu verlieren. Sie schafft die Voraussetzung dafür, dass Gesellschaften sich selbst reflektieren, korrigieren und neu entwerfen können. Das schafft ein Fundament, auf dem eine Zukunftsperspektive definiert werden kann, auf die sich die Mehrheit in einer Gesellschaft einlassen kann. Reformen ohne Einordnung in ein Zukunftszielbild einer ganzen Gesellschaft setzen keine Energien frei, motivieren nicht. Kommunikation unterstützt eine zwingend notwendige Zukunftsperspektive für ein Land wie Deutschland oder eine ganze Region wie die EU. Erst recht dann, wenn die Ausgangssituation im Vergleich zu anderen (noch) so viel besser ist. Doch: Wer kümmert sich zurzeit in unserem Land darum?


Kommunikation ist existenziell


Auf den Punkt gebracht heißt dies: Gesellschaften brauchen Kommunikation nicht nur, um aktuelle Krisen zu bewältigen, sondern um überhaupt handlungsfähig zu bleiben. Internationale Fallbeispiele wie Japan und Dänemark sowie zahlreiche Studien aus Soziologie, Philosophie und Change-Management zeigen: Wo Kommunikation systematisch gestaltet wird, wachsen Vertrauen, Innovationsfähigkeit und Zusammenhalt – auch wenn dies nie gradlinig sein wird. Doch ohne intensive, inklusive und reflektierte Gesellschaftskommunikation droht das Auseinanderdriften sozialer Wirklichkeiten. Mit ihr hingegen entsteht die Möglichkeit, Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Kommunikation ist damit kein Luxus moderner Gesellschaften, sondern ihre existenzielle Grundlage – und eine der zentralen Investitionen in eine offene, reflektierte, lernfähige und damit zukunftsfähige Gesellschaft. 

Die Studie „Angst vor Entzweiung“ von 2025 zeigte: 95 Prozent der Befragten stimmen zu, dass wir angesichts der weltpolitischen Lage wieder mehr Zusammenhalt in Deutschland brauchen. Und 77 Prozent geben an, sich mehr echte Gemeinschaftserlebnisse zu wünschen – auch mit Menschen, die anders denken als sie. Es ist also Zeit, sich angesichts zunehmend extremer politischer Meinungen stärker der Gesellschaftskommunikation zu widmen, um spaltenden Energien nicht die Oberhand zu überlassen. Noch ist Zeit dafür.



STANDPUNKT


Eine Gesellschaft auf der Kippe

Studien zeigen die Risiken: Eine 2024 an der Humboldt-Universität durchgeführte Untersuchung kam zu dem Befund: „Konflikte sind vorhanden, Polarisierung insgesamt gering, politisierte und radikalisierte Ränder jedoch deutlich sichtbar.“ Vier „Triggertypen“ führten besonders häufig zu Empörung: wahrgenommene Ungleichbehandlung, Normalitätsverstöße, Verhaltenszumutungen und Entgrenzungsbefürchtungen. Empörung entstand vor allem dort, wo Menschen den Eindruck hatten, die Kontrolle über gesellschaftliche Entwicklungen zu verlieren – etwa im Kontext migrationspolitischer Debatten. Themen wie disruptive Technologien, die den Arbeitsmarkt stark verändern, haben zusätzlich großes Spaltungspotential.


Und doch, so ein warnendes Zitat aus dem ersten Bericht des Forschungsinstituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt von 2023: „Die deutsche Gesellschaft ist weit davon entfernt, in vollständig separierte‚ ‚Blasen‘ gespalten zu sein. Dennoch zeigen unsere Daten sehr deutlich, dass es, erstens, für die meisten der von uns untersuchten Merkmale sozialer Netzwerke eine klare Tendenz zur Segregation gibt, und, zweitens, ein eigenständiger Zusammenhang zwischen homogenen sozialen Netzwerken und zusammenhaltsrelevanten Werthaltungen, Einstellungen und Erfahrungen besteht.“


Kommunikation also jetzt – ehe es doch zu spät ist.



Uta-Micaela Dürig hat ihre Wurzeln in der Kommunikation und arbeitete zuletzt als Geschäftsführerin und Vorständin: Sie war langjährige Leiterin Unternehmenskommunikation & Public Affairs, Brandmanagement & Nachhaltigkeit in globalen Firmen wie ABB, RWE, Bosch und beim Berliner Mittelständler Krone. Sie führte die Robert Bosch Stiftung und war zuletzt Vorständin Sozialpolitik eines großen deutschen Wohlfahrtsverbandes. Sie lehrt an Hochschulen und ist national wie international in der Beratung tätig. Dürig ist Mitglied in zahlreichen Aufsichtsräten. Uta-Micaela Dürig hat eine Ausbildung zur Tageszeitungsredakteurin, studierte berufsbegleitend am Institut Publizistik und Kommunikationswissenschaften der Freien Universität Berlin und absolvierte eine Ausbildung zur Wirtschaftsmediatorin. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter.




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