Next Gen: Beratung und Agenturen 2030
- 18. Juni
- 3 Min. Lesezeit

Die Beratungsbranche redet gerade viel. Über Transformation, neue Strukturen, die Zukunft der Agenturarbeit und dabei immer wieder: über den Nachwuchs. Wir drehen den Blick um. Was wünscht sich die nächste Generation von einer Branche, die gerade über ihre Zukunft entscheidet? Und was sollte sie konkret ändern?
Annabelle Pohl, Communication Consultant bei CARAT

Krisen und Ungewissheit über die persönliche Entwicklung sind Umstände, die uns als Nachwuchs – wie auch alle Generationen vor uns – begleiten. Sie sind Teil des Erwachsenwerdens und des beruflichen Werdegangs. Hinzu kommt nun aber ein schnelllebiger und digitaler Wandel der Agenturwelt. Der Einsatz von KI, die wirtschaftliche Lage oder der "Ist-doch-nur-Marketing"-Stempel sind Dinge, mit denen man früh konfrontiert wird. Als ehemalige Trainee im dentsu-Netzwerk hatte ich aber das Glück, die Branche in Ruhe kennenzulernen, und konnte beobachten, wie führende Unternehmen aus verschiedensten Branchen den Wandel erleben und wie ich ihn als junge Beraterin aktiv mitgestalten kann. Der Sprung in die Agenturwelt fühlt sich erstmal an wie ein Sprung ins kalte Wasser. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir den Wandel kaum aufhalten können, er ist stetig und wird nicht an Tempo verlieren. Genau das macht die Branche aber auch so attraktiv, Stagnation ist keine Option, und wer mitspielen will, muss am Ball bleiben. Agenturen sollten dem Nachwuchs dennoch ein Gefühl von Sicherheit geben – dass Talent gefördert und Perspektive gegeben wird. Der Nachwuchs ist ambitioniert und zieht sich mit Freude die Schwimmflügel an. Agenturen können mit Teamgefühl, einem Selbstverständnis von Rückendeckung und einer Balance zwischen Fördern und Fordern die nötige Luft zum Aufpumpen geben – so halten wir uns nicht nur über Wasser, sondern schwimmen gemeinsam mit voller Kraft voraus.
Luca Broens, Senior Account Executive bei Burson Deutschland

Wir erklären unseren Kund:innen, wie man Aufmerksamkeit generiert, Stories glaubwürdig verkauft und wie man Haltung zeigt. Diese Expertise ist in einer Welt voller Lärm, Desinformation und algorithmischer Reizüberflutung gefragter denn je. Gerade jetzt, im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz, braucht es die Fähigkeit einschätzen zu können, was Kommunikation wirklich bedeutet: Relevanz schaffen und Vertrauen aufbauen. Es ergibt also keinen Sinn, KI zu dämonisieren. Sie ist ein Werkzeug und gleichzeitig eine große Chance für die Branche, um noch wirkungsvollere PR zu betreiben. Damit einher geht die kontinuierliche Weiterbildung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz, um unseren Kund:innen immer einen Schritt voraus bleiben zu können. Das gelingt nur, wenn in systematische und praxisnahe Formate investiert wird, die Berater:innen nicht nur mit den Tools vertraut machen, sondern vor allem mit dem eigenen Rollenverständnis: Wer die Möglichkeiten und Grenzen von KI kennt, berät souveräner und macht den entscheidenden Unterschied.
Kim Bauer, Communication Consultant bei PIABO Communications

Ich erlebe, wie stark sich die Kommunikationsbranche verändert – und wie viel Chance darin steckt, Arbeit neu zu denken. Auch wir bei PIABO Communications gestalten diesen Wandel aktiv mit. Für die Branche wünsche ich mir, dass nicht über Nachwuchs, sondern mit dem Nachwuchs geredet wird. Es wird viel über neue Anforderungen, Erwartungen oder Entwicklungsziele gesprochen, aber die Perspektive derjenigen, die diese Veränderungen langfristig tragen werden, ist noch zu selten strukturell in Entscheidungen eingebunden. Dabei sind wir es, die am längsten mit diesen Entwicklungen leben und sie gestalten werden.
Was sollte die Branche konkret ändern? Erstens: Beteiligungsformate einführen – nicht nur Mitarbeiterbefragungen, sondern Formate mit Entscheidungsrelevanz, z. B. Junior Advisory Boards, feste Plätze für Nachwuchskräfte in Strategie-Workshops oder Beteiligung an Positionierungsprozessen. Wenn eine Agentur über ihre Zukunft nachdenkt, sollten Nachwuchskräfte mit am Tisch sitzen.
Zweitens: Einstiegsgehälter und Transparenz. KI steigert die Effizienz – damit diese Transformation als fair erlebt wird, sollte offen diskutiert werden, wie Produktivitätsgewinne auch beim Nachwuchs ankommen. KI kann Arbeit vereinfachen, zugleich werden neue Fähigkeiten gebraucht, und der Druck steigt, schnell „alles“ zu können. Deshalb braucht es Transparenz, wie Gewinne reinvestiert werden: in Weiterbildung, klare Entwicklungspfade und wettbewerbsfähige Einstiegsgehälter.
Drittens: Ausbildung, die der Realität entspricht. Was in vielen Studiengängen vermittelt wird und was die Branche benötigt, geht oft auseinander. Ein Schritt wäre eine stärkere Zusammenarbeit mit Universitäten, um mehr Praxisbezug zu datengetriebener Kommunikation, PR und KI-Kompetenz ins Studium zu bringen.



